Übernachten in historischen Gebäuden: drei Hotels, drei Arten von Erbe
Amsterdamer Grachtenhäuser, ein viktorianisches Bahnhotel und ein ehemaliges Kloster an der Amalfiküste bieten jeweils eine andere Art von Aufenthalt im historischen Gebäude.

Ein Aufenthalt in einem historischen Hotel beginnt oft mit einem Eindruck des Gebäudes: einer Treppe, Fassade oder Passage, die älter wirkt als die Zimmer. In Amsterdam, London und Amalfi erzählen drei Hotels verschiedene Geschichten der Umnutzung. Pulitzer Amsterdam verbindet Grachtenhäuser zu einer Adresse. St. Pancras London kombiniert das frühere Midland Grand Hotel mit einem zeitgenössischen Flügel. Anantara Convento di Amalfi nutzt eine Anlage, die im Lauf der Jahrhunderte Kloster, Institut und Hotel war. Ursprüngliche Funktionen prägen die Orte, spätere Eingriffe ihre heutige Form. Die Geschichte liegt deshalb manchmal im Zimmer, manchmal vor allem in Fluren und Gemeinschaftsräumen.
Nach seiner eigenen Geschichte besteht Pulitzer Amsterdam aus 25 restaurierten Grachtenhäusern an Prinsengracht und Keizersgracht. Die Gebäude stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Peter Pulitzer kaufte 1970 zunächst zwölf Häuser; später wuchs die Sammlung zum heutigen Ensemble. Die Hotelgeschichte nennt auch die Renovierung von 2015 und 2016. Ein Weg durch das Gebäude führt daher zwischen ehemaligen Wohnhäusern hindurch, die erst später miteinander verbunden wurden. Dieser Aufbau erklärt die Vielfalt der Zimmer, Treppen und Ausblicke besser als ein einheitlicher Hotelgrundriss. Das Erbe liegt hier gerade in der Reihe einzelner Häuser an den Amsterdamer Grachten.
Die FAQ von Pulitzer nennt 223 Zimmer und Suiten in diesen 25 Häusern. Die möglichen Ausblicke unterscheiden sich je nach Zimmer: Gracht, Garten oder Innenhof. Ein Fassadenfoto sagt deshalb wenig über den genauen Blick aus einem gebuchten Zimmer. Die historischen Häuser schaffen eine erkennbare Umgebung, doch die Lage im Ensemble bleibt ein Merkmal der Zimmerkategorie. Für einen Aufenthalt mit Blick aufs Wasser ist diese Angabe aussagekräftiger als der allgemeine Hotelname. Gleiches gilt für den Wunsch nach einem ruhigen Innengarten. Die Verbindung alter Bausubstanz mit einer modernen Hotelfunktion macht Pulitzer zu einem städtischen Beispiel für Erbe, das sich durch tägliche Nutzung weiter verändert.

St. Pancras London erzählt eine Eisenbahngeschichte. Die Hotelwebsite beschreibt, wie das Midland Grand Hotel nach Entwürfen von George Gilbert Scott neben dem Bahnhof gebaut wurde. Der Ostflügel öffnete 1873; der Rest war 1876 fertig. Backsteinfassade und neugotische Details stammen aus dieser viktorianischen Phase. Heute unterscheidet die Zimmerseite zwei Flügel: Der Chambers Wing liegt im ursprünglichen Gebäude, der Barlow Wing ist zeitgenössisch. Ein Hotelname kann daher zwei deutlich verschiedene Raumerfahrungen umfassen. Im alten Flügel tritt die Geschichte des Bahnhotels hervor, im neuen eine modernere Hotelaufteilung.
An der Amalfiküste ist die Geschichte des Anantara Convento di Amalfi noch älter und stärker geschichtet. Laut der Hotelzeitleiste stand dort im 11. Jahrhundert bereits eine Kirche in einer Grotte. Kardinal Pietro Capuano ließ 1212 daneben ein Kloster errichten. Zisterzienser erhielten den Ort 1214; ab 1583 übernahmen Kapuziner die Anlage und bauten sie um. Im 19. Jahrhundert folgten andere Funktionen, darunter ein nautisches Institut. Die heutige Hotelumgebung trägt Spuren dieser Zeiten. Kreuzgang oder Kapelle verweisen auf die religiöse Nutzung, spätere Einrichtungen ermöglichen den heutigen Aufenthalt. Die Geschichte ist eine Folge von Anpassungen.
Die drei Hotels zeigen, wie unterschiedlich sich eine Nacht in einem alten Gebäude anfühlen kann. Bei Pulitzer handelt es sich um ein Netz von Grachtenhäusern, bei St. Pancras um den Unterschied zwischen einem Flügel aus dem 19. Jahrhundert und einem modernen Flügel, bei Anantara um eine Anlage mit kirchlichen und bürgerlichen Bauphasen. „Historisch“ beschreibt somit in jedem Hotel einen anderen Teil der Erfahrung. Zimmerkategorie, Lage und Aussicht bestimmen, wo sich ein Gast innerhalb dieser Geschichte befindet. Die eigenen Beschreibungen der Hotels liefern konkrete Anhaltspunkte: die Zahl der Amsterdamer Häuser, die Londoner Flügel und die wechselnden Funktionen in Amalfi. So wird Erbe als Gebäude sichtbar, das immer wieder eine neue Bestimmung erhält.
Quellen und Bildnachweise
- https://www.pulitzeramsterdam.com/en/about/history/
- https://www.pulitzeramsterdam.com/en/faq/
- https://www.marriott.com/en-gb/hotels/lonpk-st-pancras-london-autograph-collection/rooms/
- https://www.anantara.com/en/convento-di-amalfi/history
- https://www.anantara.com/en/convento-di-amalfi
Bildnachweise 1
Foto: Jimg944 / Wikimedia Commons · CC BY 2.0 · Bildquelle
Bildnachweise 2
Foto: JSilv99 / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0 · Bildquelle
Euro Magazine · 26. Oktober 2026
Fakten und Quellen
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