Italien · Städte & Regionen
In Triest beginnt Kaffee schon am Hafen
Die Kaffeehäuser von Triest haben ein Wiener Erbe. Der Hafen daneben erzählt, warum eine italienische Stadt so eng mit Mitteleuropa verbunden wurde.

Wer Kaffee nur als Getränk betrachtet, verpasst in Triest einen Teil der Geschichte. Zur Tasse gehören hier auch Handel, Transport und Treffpunkte. Diese Stadt an der Adria entwickelte sich als Hafen des Habsburgerreiches. 1719 erhielt Triest den Status eines Freihafens. 1857 wurde die Bahnverbindung nach Wien fertiggestellt.
Die Hafengeschichte zeigt, wie wichtig die Verbindung zwischen Meer und Hinterland war. Waren mussten nicht nur an Land kommen, sondern auch gelagert und weitertransportiert werden. Die Entwicklung des Hafengebiets und der Lagerhäuser gehört zu diesem größeren Netz. Ein Kai wird erst dann zu einem Glied im Handel, wenn eine Route weiter ins Landesinnere führt.
Ein Wiener Kaffeehaus an der Adria
Laut der regionalen Tourismusorganisation PromoTurismoFVG eröffneten in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts Kaffeehäuser in Triest. Ihre Einrichtung und ihr Service erhielten einen erkennbar wienerischen Charakter. Die Verbindung zu Habsburg lässt sich dadurch auch im Maßstab eines Interieurs begreifen.

Die Organisation nennt unter anderem Tommaseo, Caffè degli Specchi und Antico Caffè San Marco als historische Kaffeehäuser. Es sind Orte, die sie mit der kulturellen und literarischen Geschichte der Stadt verbindet. So ergänzen sich Hafen und Kaffeehaus: Das eine macht die Handelsverbindung sichtbar, das andere die städtischen Gewohnheiten, die damit verbunden wurden.
Selbst das Bestellen hat einen örtlichen Akzent
Auch die Wörter sind der Stadt eigen. Ein Espresso heißt in der örtlichen Kaffeesprache ‚nero‘. Ein ‚capo‘ ist ein Kaffee mit Milch wie anderswo in Italien ein Macchiato; ein ‚capo in b‘ kommt im Glas. PromoTurismoFVG erklärt diese Begriffe für Besucher, die an der Theke sonst eine Überraschung erleben könnten.
Dieser kleine sprachliche Unterschied passt zu einer Stadt, deren Geschichte über Grenzen hinweg verläuft. Triest zeigt, wie ein internationales Handelsprodukt zu etwas sehr Örtlichem werden kann. Die Bohnen reisen; die Art, wie eine Stadt über sie spricht, bleibt unverkennbar ihre eigene.