EUROMagazine
Deutsch

Kastanien in Italien: drei Routen von Cuneo bis Kampanien

Eine Herbstmesse im Piemont, Marroni aus dem Mugello und geschützte Herkunftsbezeichnungen in Kampanien zeigen, wie unterschiedlich die italienische Kastanienkultur ist.

Geöffnete stachelige Schale mit zwei Kastanien auf dem Boden.
Geöffnete Schale der Edelkastanie, 2010 fotografiert; botanisches Produktbild zum Artikel über die italienische Ernte 2026. Bildnachweise

Im Oktober erscheint die Kastanie in Italien zugleich als Waldfrucht, Regionalprodukt und Anlass für einen Ausflug. Wer die Herkunft kennenlernen möchte, kann drei verschiedene Routen wählen: die Kastanienwälder des Piemont, die Marroni des toskanischen Mugello und die Erzeugerdörfer in Kampanien. Die offiziellen Tourismus- und Landwirtschaftsquellen erzählen jeweils eine andere Geschichte. Ort, Anbau und Zubereitung bestimmen die Geschichte jeder Gegend.

Das Piemont bietet in Cuneo einen konkreten Ausgangspunkt. Der Veranstalter richtet dort vom 16. bis einschließlich 18. Oktober 2026 die 27. Fiera Nazionale del Marrone aus. Laut Programm stehen Stände unter anderem auf der Piazza Galimberti, der Via Roma und der Piazza Virginio. Daneben nennt der Veranstalter Koch- und Bildungsangebote, Gespräche, Aufführungen und Konzerte. Das Programm unterscheidet die Messetage von den Zeiten einzelner Workshops und Vorträge.

Braune toskanische Zubereitung mit Kastanienmehl, Öl und Rosmarin.
Eine toskanische Zubereitung mit Kastanienmehl; Illustration der kulinarischen Verwendung, nicht der Ernte 2026. Bildnachweise

Außerhalb der Stadt verläuft im Roero der Sentiero del Castagno. Die Tourismusbehörde des Piemont beschreibt eine Wanderroute entlang von Weinbergen, Obstgärten, alten Kastanienwäldern und Kapellen. Die Route berührt Canale, Montà und Cisterna d’Asti. Entlang der Route sind alte Kastanienwälder Teil der Landschaft. Die Routenbeschreibung enthält keine Erlaubnis, in privaten Kastanienwäldern Früchte zu sammeln.

In der Toskana verweist die regionale Tourismusbehörde auf die Strada del Marrone di Marradi im Mugello und auf Kastanienfeste in der Gegend des Monte Amiata. Der Marrone del Mugello trägt eine geschützte geografische Angabe. Visit Tuscany beschreibt, wie das Produkt sowohl geröstet als auch gekocht gegessen wird, aber auch in Castagnaccio und Marrons glacés landet. Auf Märkten gibt es neben frischen Marroni auch Kastanienmehl und Gebäck aus derselben Erzeugerkette.

Die toskanische Quelle unterscheidet außerdem zwischen einem Marrone von kultivierten Bäumen und Kastanien von nicht kultivierten Bäumen. Auf regionalen Märkten sind die Begriffe also mehr als kulinarischer Zierrat. Die Herkunftsbezeichnung auf einem Produkt sagt etwas über die festgelegte Erzeugungsregion aus; ein Dorffest wiederum ist eine Gelegenheit, Zubereitungen vor Ort zu probieren. Ein Wanderweg oder ein Festkalender sagt nichts über die Verfügbarkeit einer einzelnen Ernte.

Kampanien zeigt, wie viele regionale Namen sich hinter dem allgemeinen Wort Kastanie verbergen. Die Landwirtschaftsbehörde nennt die Castagna di Montella IGP aus dem Gebiet Terminio-Cervialto, unter anderem rund um Montella und Bagnoli Irpino. Die Frucht wird laut Region frisch und getrocknet verwendet, als Caldarroste verkauft und zu Püree, Marmelade oder Süßigkeiten verarbeitet. Dieselbe Quelle nennt die lokale Castagna del Prete, eine im Ofen zubereitete Kastanie. Das ist ein anderes Produkt als eine frische Kastanie in der Schale.

Auch die Marrone/Castagna di Serino IGP und die Marrone di Roccadaspide IGP gehören zu den anerkannten Namen Kampaniens. Die regionale Produktseite beschreibt Serino als geeignet für den Frischverzehr, für geröstete Kastanien und für Marrons glacés. Für Roccadaspide nennt sie neben dem Frischmarkt vor allem die Verarbeitung zu unter anderem Marrons glacés, Marmelade und Püree. Wer in einem Geschäft oder auf einem Markt einen Namen auf dem Etikett sieht, kann so feststellen, ob es sich um ein Regionalprodukt oder eine Zubereitung handelt, ohne alle italienischen Kastanien in einen Topf zu werfen.

Die Messe in Cuneo hat feste Tage; die Roero-Route ist eine Wanderung, keine Sammeltour. In der Toskana bieten die Herkunftsbezeichnung und lokale Zubereitungen Halt, in Kampanien die einzelnen IGP-Produkte. Die beiden Bilder zu dieser Geschichte zeigen eine geöffnete Kastanienschale und ein Gericht aus Kastanienmehl aus der Toskana; sie illustrieren die Produkte und sind kein Bericht über die Ernte 2026.

Quellen und Bildnachweise

Bildnachweise 1

Foto: Pseudopanax / Wikimedia Commons · Gemeinfrei · Bildquelle

Bildnachweise 2

Foto: Sara Varlani / Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0 · Beeldbron

Euro Magazine · 13. Oktober 2026

1:

2:

3:

4:

5:

6:

7:

8:

    Rubriken

    StartseiteStadt & RegionNatur & LandschaftKunst & MuseenReisenEssen & TrinkenWetter & StaunenAlle Geschichten