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Letztes Oktoberfest-Wochenende in München: warum das Fest mit einer Salve endet

Euromagazine · 3. Oktober 2026

Bavaria und Ruhmeshalle in München im April 2019; Archivfoto, nicht das Oktoberfest 2026.
Bavaria und Ruhmeshalle in München im April 2019. Bildnachweise

Deutschland · Steden

Am Samstag, dem 3., und Sonntag, dem 4. Oktober 2026, erlebt das Oktoberfest sein letztes Wochenende. Am Sonntagmittag verabschieden sich sechzig Böllerschützen in Tracht mit Salutschüssen, ein Brauch, der älter ist als das Fest selbst.

Das Oktoberfest in München, in der Stadt selbst einfach „die Wiesn“ genannt, geht an diesem Wochenende in die letzten Tage. Das Fest auf der Theresienwiese dauert bis einschließlich Sonntag, 4. Oktober 2026, meldet die Stadt München. Das letzte Wochenende fällt in diesem Jahr mit dem Tag der Deutschen Einheit am Samstag, dem 3. Oktober, zusammen, einem nationalen Feiertag. Laut der Münchner Website muc-blog dürfte es dadurch auf dem Gelände noch einmal besonders voll werden.

Der offizielle Abschluss ist kein Bierprosit, sondern ein Knall. Am letzten Tag, Sonntag, dem 4. Oktober, um 12:00 versammeln sich rund sechzig Böllerschützen in Tracht auf den Stufen unterhalb der Bavaria-Statue. Das meldet die Stadt München. Sie schießen Salven mit Schwarzpulver, ohne Kugeln und ohne Ziel. Was ist das für ein Brauch, und warum gehört er zur Wiesn?

Eine Böllerkanone in Kärnten, Österreich; Beispiel der Tradition, nicht München.
Eine Böllerkanone in Kärnten, Österreich. Bildnachweise

Eine Salve ohne Kugel

Böllerschießen hat wenig mit Sportschießen zu tun, erklärt die Stadt. Es geht nicht darum, ein Ziel zu treffen: Der Böller, eine Art Salutkanone oder Handmörser, erzeugt mit Pulver einen lauten Knall und eine Rauchwolke. Verwendet werden Handböller, Schaftböller und Standböller, manchmal auch kleine Kanonen. Die Schützen müssen laut der Stadt nachweisen, dass sie sicher mit dem Pulver umgehen können.

Die Schüsse folgen einem festen Ablauf und hüllen den Platz vor der Bavaria immer wieder in weißen Rauch. Eine Blaskapelle begleitet das Ritual. Danach werden die Landesschützenkönige geehrt: die Schützenkönige des Oktoberfest-Landesschießens, des Schießwettbewerbs, der zum Fest gehört. Die Bayernhymne bildet den Abschluss.

Älter als das Fest selbst

Der Brauch ist viel älter als das Oktoberfest, schreibt die Stadt München. Es gibt schriftliche Zeugnisse ab dem Ende des fünfzehnten Jahrhunderts, auch wenn sich nicht sagen lässt, wo er seinen Anfang nahm. Geschossen wurde bei Hochzeiten, Tauffeiern und anderen festlichen Anlässen, als Ehrensalut für hochgestellte Persönlichkeiten oder als weithin hörbares Signal. Regional spielte auch das Vertreiben böser Geister eine Rolle.

Die Verbindung zur Wiesn läuft laut der Stadt über die lange Schützentradition des Festes. Schon beim ersten Oktoberfest im Jahr 1810 nahmen Münchner Schützen an den Feierlichkeiten teil.

Das Fest beginnt übrigens auch mit Schüssen. Sobald der Oberbürgermeister im Zelt Schottenhamel das erste Fass angezapft und „Ozapft is!“ gerufen hat, ertönen vor der Bavaria zwölf Böllerschüsse. Sie lassen die anderen Zelte wissen, dass die Wiesn eröffnet ist und Bier ausgeschenkt werden darf. So steht es in der Erläuterung der Stadt. Das Fest 2026 wird also von Schüssen eingerahmt: zwölf zu Beginn, eine Salve zum Abschied.

Dann ist es noch nicht vorbei

Wer denkt, das Oktoberfest sei nach dem letzten Knall zu Ende, irrt sich. Das Böllerschießen um 12:00 ist laut der Stadt der symbolische Abschluss des offiziellen Wiesn-Programms, nicht das Ende des Festes. Fahrgeschäfte, Buden und Zelte laufen an diesem Nachmittag und Abend ganz normal weiter. Erst spät am Abend ist es wirklich vorbei.

Ein einheitliches Ritual für alle Zelte gibt es nicht, schreibt muc-blog. In vielen Zelten folgt später am Abend der Kehraus, das traditionelle „Auskehren“: Wirte, Kapellen und Gäste verabschieden sich mit letzten Liedern und manchmal eigenen Ritualen. Manche Zelte dimmen das Licht, andere setzen auf alte Abschiedslieder.

Was in diesem Jahr besonders ist

Sonntag, der 4. Oktober, ist der letzte Tag der 191. Wiesn, notiert muc-blog. Auch die Oide Wiesn, der historische Teil des Geländes mit alten Fahrgeschäften und traditioneller Musik, schließt an diesem Tag ihre Tore. Das Museumszelt, in dem in diesem Jahr noch bis Sonntag eine Ausstellung über Volksfestfotografie zu sehen ist, öffnet zum letzten Mal.

Einmal anders hinsehen

Ein Fest, das mit Schüssen beginnt und mit Schüssen endet, lässt sich lesen wie ein Satz mit zwei Satzzeichen. Die zwölf Schüsse zu Beginn geben das Zeichen, dass es losgehen kann, die Salve am Ende, dass der offizielle Teil vorbei ist. Was danach kommt, bestimmt jedes Zelt selbst: Das eine dimmt das Licht, das andere singt ein Abschiedslied. So endet das größte Volksfest Bayerns nicht mit einem einzigen Knall, sondern mit Dutzenden kleiner Abschiede.

Quellen und Bildnachweise

Bildnachweise 1

Foto: Martin Falbisoner / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Bildnachweise 2

Foto: Naturpuur / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

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