
Das Pergamonmuseum: wie man ein Museum voller Bauwerke umbaut
Einen Altar und ein Stadttor zieht man nicht um wie ein Gemälde. In Berlin öffnet das Pergamonmuseum deshalb in Phasen wieder: Der Altar kehrt laut Planung am 4. Juni 2027 zurück.
Museen schließen öfter für Umbauten. Ein Flügel macht zu, ein Saal ist eine Saison lang nicht zugänglich, und ein Jahr später ist alles wieder da.
In Berlin ist das Pergamonmuseum seit Oktober 2023 vollständig geschlossen. Inzwischen steht ein konkretes erstes Wiedereröffnungsdatum fest: der 4. Juni 2027, unter anderem für den Saal mit dem Pergamonaltar und den Nordflügel.
Der Südflügel, unter anderem mit dem Ischtar-Tor, bleibt voraussichtlich bis etwa 2037 in Renovierung. Ein Museum kann also wieder geöffnet sein, während ein wichtiger Teil der Sammlung noch hinter Bauzäunen steht.
Was darin steht
Um zu verstehen, warum das so schwer wiegt, muss man wissen, was in diesem Gebäude steht. Dies ist kein Museum mit Gemälden an der Wand, sondern mit Bauwerken darin.
Der Pergamonaltar. Das Markttor von Milet. Das Ischtar-Tor mit der Prozessionsstraße von Babylon. Die Mschatta-Fassade. Das sind keine Objekte, die man in einer Kiste umzieht; es sind rekonstruierte Architekturfragmente, die in den Sälen aufgebaut wurden und um die herum das Gebäude errichtet ist.
Daneben beherbergt der Komplex das Vorderasiatische Museum und das Museum für Islamische Kunst.
Warum es so lange dauert
Genau da liegt das Problem. Ein Museum mit so großen Architekturfragmenten kann man nicht so einfach leerräumen wie einen Saal mit Gemälden. Ein Teil wird vor Ort geschützt, andere Bestandteile werden sorgfältig abgebaut oder verlagert.
Der Umbau muss auf die empfindliche Sammlung und auf das Gebäude Rücksicht nehmen. Das verlangt Abstimmung zwischen Bauleuten, Kuratoren und Restauratoren statt einer einzigen leeren Baustelle.
Die angekündigte Wiedereröffnung 2027 ist deshalb ein Meilenstein, nicht das Ende des ganzen Projekts. Für einen Besuch macht es einen Unterschied, welchen Teil man sehen will; prüfen Sie vorher die aktuellen Informationen des Museums.
Was ein Museum tut, wenn es geschlossen ist
2018 eröffnete nahe der Museumsinsel ein vorübergehender Bau mit einem Panorama: einem umlaufenden gemalten Bild der Stadt Pergamon.
Diese Lösung sagt etwas über das Problem. Wenn man den Altar nicht zeigen kann, kann man die Welt zeigen, aus der er stammt. Es ist kein Ersatz, und es gibt auch nicht vor, einer zu sein.
Die Frage darunter
Eine solche Renovierung in Phasen macht eine alte Museumsfrage sehr konkret: Wie hält man eine Sammlung zugänglich, während man sie für später schützt?
Die übliche Antwort lautet: für später. Erhalten geht vor Zeigen, denn was kaputt ist, kann man nie wieder zeigen. Gegen diese Begründung ist wenig einzuwenden.
Die Wiedereröffnung in Phasen bietet eine teilweise Antwort. Der Altar kann wieder Publikum empfangen, während anderswo im Komplex weitergearbeitet wird. Bewahren und Zeigen müssen so nicht für das ganze Gebäude aufeinander warten.
Besucher sehen bald einen erneuerten Saal. Dahinter stehen Jahre der Arbeit an einem historischen Gebäude mit einer Sammlung, die besondere Anforderungen stellt.
Das macht dies zu mehr als einer Umbaumeldung. Das Pergamonmuseum zeigt, dass eine Sammlung nicht nur Raum braucht, sondern auch Pflege, Geduld und einen Plan, sie wieder besuchbar zu machen.