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Flache, grüne Heide mit vereinzelten jungen Kiefern und einigen kahlen, abgestorbenen Bäumen; dahinter ein Waldrand, niedrige Berge und ein großer, grauweißer Wolkenhimmel.
Vereinigtes Königreich · Natur & Landschaft

Cairngorms: Laserkarten zeigen, wie Millionen junger Bäume von selbst zurückkehren

Ein Flugzeug mit Laserscanner hat im schottischen Nationalpark mehr als sechs Millionen Bäume gezählt. Gut 40 Prozent sind Jungwuchs, und der wächst dort größtenteils ohne Pflanzung. Der Schlüssel liegt bei den Hirschen.

Am Donnerstag, dem 24. September 2026, gab ein Forschungsteam unter Leitung der University of Cambridge bekannt, was ein Flugzeug mit Laserscanner über den schottischen Cairngorms gesehen hat: Junge Bäume breiten sich wieder auf Land aus, auf dem seit Jahrhunderten kein Wald mehr stand. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift Journal of Applied Ecology. Es geht um das Gebiet von Cairngorms Connect, einem Zusammenschluss von Landbewirtschaftern im Nationalpark.

Die Zahlen sind groß. Das Team zählte auf 569 Quadratkilometern mehr als sechs Millionen einzelne Bäume, und von jedem Baum die genaue Höhe. Davon waren 2,65 Millionen niedriger als fünf Meter, etwas mehr als 40 Prozent. Das ist der Jungwuchs, der Wald der Zukunft.

Warum der Wald jahrhundertelang nicht zurückkam

In den Cairngorms stehen noch alte Wälder des Kaledonischen Waldes. Die Parkverwaltung beschreibt diesen Wald als Waldkiefern über Wacholder, zwischen Eichen und Ebereschen, auf einem Boden aus Heidekraut, Heidelbeeren und Preiselbeeren. Einst bedeckte dieser Wald einen viel größeren Teil der schottischen Highlands.

Wie viel davon übrig ist, hängt davon ab, was man misst. Von den ursprünglichen einheimischen Wäldern Schottlands sind laut den Forschenden aus Cambridge noch 4 Prozent erhalten. Cairngorms Connect spricht von 1 Prozent des ursprünglichen Kiefernwaldes. Die Landschaft besteht heute größtenteils aus Heide, Moor und Grasland, schreiben die Forschenden.

Warum wuchs der Wald nicht von selbst nach? Die Antwort grast an den Hängen. Rothirsche und Rehe fressen die jungen Bäumchen, bevor sie eine Chance bekommen. Cambridge nennt diesen Verbiss durch Hirsche, zusammen mit den hohen Kosten für Pflanzungen hinter Zäunen, als Bremse für die Waldausbreitung in Schottland. Und die Hirsche haben in dieser Landschaft praktisch keine natürlichen Feinde mehr.

Eine Partnerschaft, die Raubtier spielt

Ein steiniger Weg durch blühendes Heidekraut, links eine große Kiefer und in der Ferne Wald und niedrige Berge unter einem grauen Himmel.

Cairngorms Connect ist ein Zusammenschluss von WildLand Limited, NatureScot, Forestry and Land Scotland und RSPB Scotland, mit dem Nationalpark als unterstützendem Partner. Das Gebiet umfasst laut den Partnern mehr als 600 Quadratkilometer. Sie arbeiten mit einer Vision für 200 Jahre und wollen den bestehenden Wald in seiner Fläche verdoppeln, vor allem durch natürliche Verjüngung: Bäume, die sich selbst aussäen.

Das Mittel ist ein Hirschmanagement auf 60.000 Hektar, über die Grenzen der einzelnen Güter hinweg. Cairngorms Connect beschreibt das als Übernahme der Rolle eines natürlichen Raubtiers: die Hirsche in Bewegung halten und jedes Jahr einen Teil des Bestands erlegen. Dafür arbeiten die Partner mit bis zu 15 ausgebildeten Jägern aus der Region.

Die Studie zeigt, was das gebracht hat. Nach einem Jahrzehnt der Zusammenarbeit trägt laut Cambridge mehr als 5.235 Hektar zuvor offenes Land nun jungen Wald, gerechnet als Land mit mehr als 100 Bäumen pro Hektar. Dieser Wald ist größtenteils von selbst entstanden. Nur wo keine Samenbäume in der Nähe stehen, wurde in kleinem Umfang gepflanzt.

Die jungen Bäume stehen vor allem an den Rändern bestehender Wälder, wo die meisten Samen fallen. Doch die Forschenden fanden auch neue Bäume in mehr als einem halben Kilometer Entfernung vom Waldrand. Und die Bodenart spielt eine Rolle: Auf nassem, torfigem Boden wuchsen weniger Bäume an als auf trockener Heide.

So misst man einen Wald aus der Luft

Die Forschenden arbeiteten mit Lidar, von einem Leichtflugzeug in 600 Metern Höhe aus. Der Scanner schießt in hohem Tempo Laserpulse auf den Boden. Diese werden von Bäumen und anderen Oberflächen zurückgeworfen. Aus der Zeit, die jeder Puls für den Rückweg braucht, erstellt das Team ein dreidimensionales Bild der Landschaft, viel detaillierter, als es Messungen zu Fuß liefern können.

Das Cambridge-Team analysierte diese Daten mit einer Methode, die von künstlicher Intelligenz unterstützt wird. Messungen am Boden und Feldzählungen von Cairngorms Connect und RSPB Scotland bestätigten, dass die Ergebnisse stimmen.

„Dass wir junge Bäume so genau und in so enormem Maßstab kartieren können, ist ein Durchbruch für die Beobachtung der Naturerholung“, sagte der Forscher Aland Chan vom Centre for Landscape Regeneration in Cambridge, der die Arbeit mitgeleitet hat, in der Pressemitteilung der Universität.

Auch die Parkverwaltung hat große Pläne. Im Rahmen des Programms Cairngorms 2030 will die Cairngorms National Park Authority zwischen 2023 und 2028 die mit einheimischen Bäumen bedeckte Fläche im Park um mindestens 21.000 Hektar vergrößern. Dazu gehören auch Pflanzungen, von Arten wie der Zitterpappel und seltenen Bergsträuchern.

In den Wäldern leben Arten wie das Auerhuhn und das Eichhörnchen, die laut den Forschenden in Schottland heute auf die verbliebenen Waldfragmente beschränkt sind.

Ein Tal mit einem breiten Kiesbett im Vordergrund, dahinter viele junge Kiefern zwischen verstreuten alten Waldkiefern und ein kahler, brauner Berghang.

Offene, sumpfige Heide mit verstreuten jungen Kiefern und einigen abgestorbenen Bäumen, im Hintergrund die Cairngorms unter einem Wolkenhimmel (Juli 2024). · Stijndg, CC BY-SA 4.0

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