
Pegel Kaub: Was der niedrige Wasserstand des Rheins bedeutet – und was nicht
Der Pegel des Rheins im deutschen Kaub sinkt erneut auf einen sehr niedrigen Stand. Was der bekannteste Pegel am Mittelrhein misst, warum der Fluss im Spätsommer wenig Wasser führt und wie tief er früher schon stand.
Am Mittwoch, dem 23. September 2026, meldete die Nachrichtenagentur ANP, dass der Wasserstand des Rheins im deutschen Kaub in dieser Woche wegen der anhaltenden Trockenheit erneut auf ein sehr niedriges Niveau sinkt. Die amtlichen Messungen zeigen, wie niedrig. Um 5 Uhr morgens zeigte der Pegel 14 cm, um 13 Uhr noch 11 cm, meldet die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) auf ihrem Schifffahrtsportal ELWIS. Für Sonntagmorgen, den 27. September, erwartet die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) einen Pegelstand von etwa 6 cm. Das ist eine Schätzung, keine feste Vorhersage.
Kaub ist ein Städtchen am Rhein zwischen Mainz und Koblenz. Trotzdem kennen viele Menschen den Namen vor allem aus den Wasserstandsmeldungen. Das hat einen Grund.
Ein Pegel, kein Tiefenmesser
Wer „11 cm“ liest, denkt schnell an einen Fluss, durch den man hindurchwaten kann. So funktioniert das nicht. Ein Pegel ist eine Messstelle für den Wasserstand. Die Zahl gibt an, wie hoch das Wasser über einem festgelegten Nullpunkt steht, und sagt daher nichts darüber, wie tief der Fluss ist. In Kaub liegt dieser Pegelnullpunkt laut den Stammdaten der WSV auf 67,669 m Höhe.
Für Schiffer zählt die Fahrrinne: der Teil des Flusses, der für die Schifffahrt auf einer festen Tiefe gehalten wird. Die WSV rechnet für Kaub mit einem Referenzwasserstand von 77 cm. Bei diesem Stand ist die Fahrrinne 1,90 m tief. Sinkt der Pegel weiter, schrumpft auch der Raum unter den Schiffen. Rechnet man mit diesen Stammdaten der WSV, ist die Fahrrinne bei einem Pegelstand von 0 cm noch 1,13 m tief. Bei den 11 cm vom Mittwochnachmittag und auch bei der Schätzung für Sonntagmorgen sind es also noch mehr als ein Meter.
Ein niedriger Pegelstand bedeutet also kein trockenes Flussbett, sondern weniger Spielraum. Je niedriger das Wasser, desto geringer der zulässige Tiefgang eines Schiffes und desto weniger Ladung kann es mitnehmen.
Warum ausgerechnet Kaub

Der Pegel steht bei Rhein-Kilometer 546,23 im engen Mittelrheintal. Kaub liegt auf dem Abschnitt zwischen St. Goar und Mainz. Laut dem Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) ist dieser Abschnitt ein Nadelöhr für die Binnenschifffahrt, weil die Fahrrinne dort weniger tief ausgebaut ist als stromauf- und stromabwärts. Schiffe können diesen Abschnitt nicht umfahren.
Deshalb richtet sich die Binnenschifffahrt zu Häfen oberhalb von Koblenz nach dem Pegelstand in Kaub. Schiffer bemessen danach ihre Ladung, und Transportunternehmen knüpfen vertraglich festgelegte Kleinwasserzuschläge daran.
Kaub liegt zudem in einer geschützten Kulturlandschaft. Seit 2002 gehört das Städtchen zum UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal, das sich laut der Deutschen UNESCO-Kommission über 65 Flusskilometer zwischen Bingen, Rüdesheim und Koblenz erstreckt. Nach ihren Worten ist das Tal seit zwei Jahrtausenden einer der wichtigsten Verkehrswege Europas. Die bekannteste Engstelle ist die Loreley, wo der Rhein nur 130 m breit und mit 20 m zugleich am tiefsten im gesamten Mittelrheintal ist, schreibt die Kommission.
Was Niedrigwasser dort bedeutet, hat sich in diesem Sommer gezeigt. Viele Binnenschiffe konnten den Mittelrhein kaum noch befahren, und es gab Befürchtungen, der Rhein könnte für die Güterschifffahrt in zwei Teile zerfallen. Weil jedes Schiff weniger mitnimmt, wird mehr Schiffsraum benötigt, und die Transportkosten steigen laut BfG überproportional stark.
Warum der Rhein im Spätsommer sinkt
Der Rhein hat zwei Arten von Quellen. In den Alpen speisen ihn Schnee und Gletscher. Weiter stromabwärts in Deutschland nimmt der Anteil des Regenwassers zu, erklärt die BfG. Wie hoch das Wasser steht, hängt also von Regen, Temperatur, Schneeschmelze und Gletschern ab. Spätsommer und Herbst sind deshalb die übliche Zeit für Niedrigwasser.
Der Hydrometeorologe Jan Verkade von Deltares und Rijkswaterstaat sagte der NOS in dem Beitrag „De machtige Rijn sijpelt naar zee“ vom 11. August 2026, der Februar sei nass gewesen, danach sei es aber außergewöhnlich trocken geblieben, weshalb der Abfluss im Frühjahr nicht wie üblich angestiegen sei.
Lange galten 25 cm, gemessen am 22. Oktober 2018, als niedrigster bekannter Pegelstand in Kaub. Dieser Wert steht bis heute in den Stammdaten der WSV. Im August 2026 sank das Wasser darunter. Bereits Anfang August hatte die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein einen Stand von 17 cm gemeldet. In der Woche vom 14. bis zum 20. August lag in Kaub sogar das Tagesmittel unter dem alten Tiefststand, schreibt die BfG. Einen neuen amtlichen Tiefststand hat die WSV noch nicht festgelegt. Zunächst werden die Rohdaten der Messungen noch geprüft, und das geschieht erst, wenn sich die Niedrigwassersituation deutlich entspannt hat, erklärt die BfG.
Durch Regen Ende August stieg das Wasser wieder um einige Dezimeter, doch seit Anfang September sinkt es erneut, meldet die BfG. In ihrem Niedrigwasserbericht vom 17. September 2026 erwartet sie auch für die kommenden Wochen keine spürbare und dauerhafte Besserung.

Morgennebel im Oberen Mittelrheintal bei Rheindiebach, einige Kilometer stromaufwärts von Kaub, 30. Oktober 2022. Links die Burgruine Fürstenberg über den Weinbergen, rechts unten der Rhein mit Lorchhausen am gegenüberliegenden Ufer. · abbilder, CC BY 4.0