
Bergen: warum eine Stadt zweihundert Tage im Jahr nass ist
Die regenreichste Stadt Europas verdankt das sieben Bergen und einem Meer davor. Der Mechanismus ist derselbe, der auf der anderen Seite solcher Berge den Föhn erzeugt.
Bergen liegt am Byfjorden, eingeschlossen von Bergen, und verdankt ihnen seinen Beinamen: die Stadt der sieben Berge. Dieselbe Lage bestimmt das Wetter.
Im Durchschnitt zählt die Stadt etwa zweihundert Tage im Jahr mit mehr als einem Millimeter Niederschlag. Es gab Zeiträume von mehr als zwei Monaten mit Regentagen am Stück. Bergen gilt damit als regenreichste Stadt Europas, auch wenn es nicht der nasseste Ort des Kontinents ist.
Was geschieht
Die Ursache heißt orographische Hebung, und sie ist einer der einfachsten Mechanismen der Meteorologie.
Vom Atlantik her kommt feuchte Luft an Land. Sie trifft auf einen Bergrücken und kann nicht um ihn herum, also muss sie nach oben. Aufsteigende Luft kühlt ab, und kalte Luft kann weniger Wasserdampf halten als warme. Was zu viel ist, kondensiert.
Die Folge ist Niederschlag auf der Seite, gegen die der Wind weht, und zwar genau dort: am ersten Hang, auf den die Luft trifft. Bergen liegt an diesem Hang.
Derselbe Mechanismus, ein anderes Ergebnis
Hier wird es für alle interessant, die den Föhn kennen. Es ist dieselbe Physik mit dem entgegengesetzten Ergebnis.
Orographische Hebung erzeugt vier zusammengehörige Erscheinungen: Niederschlag auf der Luvseite, Regenschatten auf der Leeseite, Fallwinde, die vom Berg herabkommen, und die dazugehörige Wolkenbildung. Oft bleibt eine Wolke über dem Gipfel stehen.
Bergen liegt am nassen Ende dieser Reihe. Der Föhn in den Alpen und die trockenen Täler hinter jeder Bergkette liegen am anderen. Das Wasser, das in Bergen fällt, ist das Wasser, das die Luft loswerden muss, bevor sie weiterkann.
Die Überraschung: Es ist nicht kalt
Was man über Bergen nicht weiß, ist, dass es für seine Breite bemerkenswert mild ist. Die Stadt liegt auf gut sechzig Grad nördlicher Breite, etwa so weit im Norden wie Südgrönland und Anchorage.
Trotzdem ist das Wetter dort viel milder, als diese Lage vermuten lässt. Das liegt am selben Ozean, der den Regen bringt: Meerwasser ist im Winter wärmer als das Land, und die Luft, die darüber kommt, bringt diese Wärme mit.
Regen und Milde sind also keine zwei getrennten Eigenschaften. Sie sind ein Paket. Ein Winter ohne Atlantikluft wäre in Bergen trockener und viel kälter.
Was das für die Stadt bedeutet
Ein Klima, in dem es zweihundert Tage im Jahr regnet, ist keine Katastrophe, sondern eine Gestaltungsaufgabe. Man sieht es an der Stadt: überdachte Durchgänge, Holzfassaden mit Farbe, die Feuchtigkeit aushalten muss, und eine Haltung zum Regen, die eher praktisch als klagend ist.
Das Sprichwort, es gebe kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung, wird oft Norwegen zugeschrieben. In Bergen ist es kein Spruch, sondern eine tägliche Notwendigkeit.