Europa, eine Geschichte weiterÜber die Redaktion
StartEuro Magazine
Deutsch
Terrassen tussen Manarola en Volastra in Cinque Terre
Italien · Reisen

Cinque Terre: fünf Dörfer, die es nur dank Mauern gibt

Die Terrassen über dem Ligurischen Meer sehen aus wie Landschaft. Es sind Bauwerke, und sobald sie nicht gepflegt werden, kommt der Hang herunter.

An der ligurischen Küste kleben fünf Dörfer an den Felsen: Monterosso al Mare, Vernazza und drei Nachbarn, zusammen die Cinque Terre. Sie gehören zum Welterbe, das auch Portovenere und die Inseln Palmaria, Tino und Tinetto umfasst.

Was man dort sieht, wird meist als malerisch beschrieben. Das ist es auch. Vor allem aber ist es das Ergebnis jahrhundertelanger schwerer Arbeit.

Was angelegt wurde

Über die Jahrhunderte haben Menschen hier Terrassen in eine schroffe, steile Landschaft gebaut, bis hinauf zu den Klippen über dem Meer.

Eine Terrasse an einem solchen Hang ist kein Abtrag, sondern ein Bauwerk. Es braucht eine Mauer, die das Erdreich hält, und dahinter wird Erde aufgebracht, auf der angebaut werden kann. Diese Mauern sind von Hand geschichtet, ohne Mörtel, und sie ziehen sich über Kilometer.

Der Sinn einer solchen Konstruktion ist nicht nur, dass etwas wachsen kann. Er liegt darin, dass Regen verzögert abgeführt wird. Wasser, das über einen kahlen Steilhang läuft, nimmt Erde mit; Wasser, das durch Terrassen sickert, bleibt im System. Die Mauern halten den Hang zusammen.

Warum es noch steht

Genau darin liegt auch die Verletzlichkeit. Eine geschichtete Mauer ohne Mörtel braucht Pflege. Steine sacken, Wurzeln drücken, Wasser sucht sich einen Weg.

Solange Menschen von diesen Terrassen leben, werden sie instand gehalten. Sobald die Landwirtschaft zurückgeht, geschieht das nicht mehr, und dann geht es langsam und danach schnell: Eine Mauer sackt ein, Wasser bekommt freie Bahn, und ein Teil des Hangs löst sich.

Die Quelle formuliert es sachlich: Wegen des instabilen Geländes führen Erdrutsche regelmäßig zur Sperrung von Wegabschnitten. Das ist kein gelegentliches Pech, sondern eine Eigenschaft dieser Landschaft.

Die Wege

Wege, Züge und Boote verbinden die Dörfer. Mit dem Auto sind sie nur mit großer Mühe zu erreichen, und das macht ihren Charakter aus.

Der bekannteste Weg ist der Sentiero Azzurro, der blaue Weg, der die fünf Dörfer verbindet. Dafür kommen die meisten Besucher.

Ein praktischer Punkt sorgt für Verwirrung: Wege werden mitunter noch mit ihren früheren Nummern bezeichnet, während es eine neue Nummerierung gibt. Wer sich auf ein altes Schild oder eine alte Karte verlässt, kann deshalb einen anderen Weg gehen als gedacht.

Warum Sperrungen dazugehören

Besucher neigen dazu, einen gesperrten Weg als Enttäuschung oder als schlechtes Management zu sehen. Hier ist eher das Gegenteil der Fall.

Eine Landschaft, die Menschen an einem Steilhang festgesetzt haben, bewegt sich. Dass regelmäßig Teile gesperrt sind, heißt, dass jemand hinschaut und ausbessert. Eine Route, die hier nie schließen würde, wäre verdächtig.

Was man besucht, ist also weder ein Naturgebiet noch ein Museum, sondern eine Landschaft, die nur besteht, solange jemand sie hält. Die Mauern, an denen man entlanggeht, sind der Grund, dass die Dörfer noch da sind.

Rubriken

StartseiteStadt & RegionNatur & LandschaftKunst & MuseenReisenZu TischWetter & Staunen