Europa, eine Geschichte weiterÜber die Redaktion
StartEuro Magazine
Deutsch
Ribollita — eigen gegenereerde foodfotografie
Italien · Zu Tisch

Ribollita: die Suppe, die erst am zweiten Tag beginnt

Der Name bedeutet aufgekocht. Das ist kein Spitzname, sondern die Zubereitung, und er erklärt, warum dieses Gericht auf einen Freitag gehört.

Die meisten Gerichte sind fertig, wenn sie vom Feuer kommen. Bei der Ribollita ist das der Moment, in dem die eigentliche Arbeit beginnt.

Der Name sagt es wörtlich: wieder aufgekocht. Es ist eine toskanische Brotsuppe aus Brot und Gemüse, oft aus dem, was noch dastand.

Wie sie entstand

Das ist Bauernkost, wie fast alles in der toskanischen Küche. Ursprünglich wurde sie gemacht, indem man große Mengen übrig gebliebener Minestrone oder Gemüsesuppe vom Vortag zusammen mit altem Brot erneut aufkochte.

Das geschah am häufigsten freitags, denn dann galt sie als Fastenspeise. Darin steckt die ganze Logik des Gerichts: kein Fleisch, keine Verschwendung und genug für einen Tisch.

Es ist also nicht so, dass jemand die Ribollita erfand und danach altes Brot hineingab. Es ist umgekehrt. Das Brot war da, die Suppe war übrig, und was dabei herauskam, erwies sich als besser als beides einzeln.

Was hineingehört

Es gibt viele Varianten, doch der Kern steht fest: Brot, Cannellinibohnen, Schwarzkohl und Kohl, ergänzt durch günstiges Gemüse. Karotte, Bohnen, Mangold, Sellerie, Kartoffel und Zwiebel, in wechselnder Zusammenstellung.

Schwarzkohl ist dabei kein Modegemüse, sondern eine winterliche Notwendigkeit: In der Toskana steht er bis in den Frost auf dem Feld und wird durch Kälte besser. Eine Ribollita im Juli ist möglich, aber es ist ein Wintergericht.

Oft kommt der Topf am Ende in den Ofen, Steingut, damit sich obenauf eine Kruste bildet.

Warum dieser zweite Tag zählt

Wer das Gericht an einem Tag kocht, bekommt eine ordentliche Gemüsesuppe mit Brot darin. Der Unterschied liegt in dem, was danach geschieht.

Steht die Suppe nach raschem Abkühlen eine Nacht im Kühlschrank, zerfällt das Brot vollständig und bindet die Suppe von innen. Was zuerst eine Flüssigkeit mit Stücken war, wird eine einzige Masse, in der der Löffel aufrecht stehen bleibt. Erst dann ist es Ribollita.

Auch deshalb eignet sich das Gericht schlecht für ein Restaurant, das auf Bestellung kocht. Es muss gewartet haben.

Ein Gericht ohne Rezept

Es gibt keine maßgebliche Fassung, und das ist kein Mangel. Ein Gericht, das aus der Resteverwertung entstand, hat per Definition keine feste Zutatenliste; was hineinkam, hing davon ab, was übrig war.

Fest steht die Technik: langsam anschwitzen, lange ziehen, Brot unterrühren, stehen lassen, wieder erhitzen. Wer diese Reihenfolge einhält, macht Ribollita, auch mit anderem Gemüse.

Was es über Armenküche sagt

Die Ribollita gehört zu jenen Gerichten, die aus Mangel entstanden und heute auf den Karten von Restaurants stehen, in denen niemand aus Mangel isst. Das ist eine bekannte Bewegung, und meist geht unterwegs etwas verloren.

Hier hält sich der Verlust in Grenzen, aus einem technischen Grund. Die Eigenschaften, die das Gericht gut machen, die Zeit, das zerfallene Brot, die Dicke, sind genau die Eigenschaften, die aus der Armut kamen. Man kann es nicht verfeinern, ohne es kaputtzumachen. Eine Ribollita aus frischem Brot, schnell gemacht und sofort serviert, ist keine luxuriösere Fassung, sondern schlicht etwas anderes.

Ein Schuss gutes Olivenöl, roh, kurz vor dem Servieren ist die einzige Zutat, die das Gericht verträgt. Und die gehörte vermutlich immer schon dazu.

Selbst kochen

Selbst zubereiten

6 Portionen · schwerer Topf oder Tontopf · nicht probegekocht

Zutaten

  • 300 g altbackenes, festes weißes Landbrot mit wenig Krume, in Scheiben
  • 400 g getrocknete Cannellini-Bohnen, eingeweicht, oder 800 g gekocht
  • 1 großer Bund Schwarzkohl, etwa 400 g, ohne Blattrippen
  • 1/4 Wirsing, in Streifen
  • 2 Möhren, 2 Stangen Staudensellerie, 2 Zwiebeln, alles in kleinen Würfeln
  • 2 Kartoffeln, gewürfelt
  • 2 EL Tomatenmark
  • 3 Knoblauchzehen
  • Olivenöl, Salz, Pfeffer
  • 1,5 Liter Wasser oder leichte Gemüsebrühe

Zubereitung

  1. Die eingeweichten Bohnen in reichlich Wasser weich kochen. Ein Drittel davon mit etwas Kochwasser pürieren; das wird die Bindung.
  2. Zwiebel, Möhre, Sellerie und Knoblauch langsam in Olivenöl weich dünsten, ohne dass sie Farbe nehmen. Dafür fünfzehn Minuten rechnen.
  3. Das Tomatenmark einrühren und kurz mitbraten.
  4. Kohl, Kartoffel, ganze Bohnen, pürierte Bohnen und die Flüssigkeit zugeben. Mindestens eine Stunde leise köcheln lassen.
  5. Das Brot in Stücke brechen und unter die Suppe rühren. Vollständig zerfallen lassen; das kann noch eine halbe Stunde dauern.
  6. Die Suppe auf flache Vorratsbehälter verteilen, rasch abkühlen lassen und innerhalb von zwei Stunden abgedeckt in den Kühlschrank stellen. Dort eine Nacht ruhen lassen.
  7. Am nächsten Tag erneut erhitzen, nach Belieben im Ofen in einem Tontopf, bis sich eine Kruste bildet. Mit einem Schuss rohem Olivenöl servieren.

Allergene: Gluten, Sellerie. Gluten aus dem Brot und Sellerie aus dem Staudensellerie. Prüfen Sie auch die Zutaten der Brühe.

Aufbewahrung: Innerhalb von zwei Stunden in den Kühlschrank stellen und innerhalb von zwei Tagen essen. Jede Portion vor dem Essen durch und durch dampfend heiß erhitzen.

Rubriken

StartseiteStadt & RegionNatur & LandschaftKunst & MuseenReisenZu TischWetter & Staunen